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Kulturwandel auf dem Acker

Beyond Science

Eine neue Studie hat die Zukunft der Landwirtschaft in fünf Szenarien skizziert. Die wichtigsten Handlungsempfehlungen im Überblick.

Die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft in der EU bis 2050 mehr als halbieren und zugleich die Biodiversität und die Ernährungssicherheit erhöhen: Was wie die Quadratur des Kreises klingt, hat der Thinktank Agora Agrar in der Studie[WK1] „Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Ernährung in einer klimaneutralen EU“ wissenschaftlich durchgespielt. Erstmals wurden mehrere Bereiche betrachtet: Klimagasemissionen, Ernährungspolitik sowie die Zukunft der Wälder. Das Ergebnis ist eine positive Vision für Europas Äcker und Wälder.

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Zurück zum Baum
Lange Baumreihen wachsen auf und an den Feldern der Zukunft, liefern Nüsse, Obst und wertvolles Holz für Möbel. Agroforst, wie sich der moderne Spross der traditionellen Streuobstwiese nennt, gewährt kleineren wie größeren Tieren Nahrung und Unterschlupf und stärkt so die Biodiversität, verbessert die Bodenqualität und den Klimaschutz: Würden auf acht Prozent der Ackerfläche in der EU Bäume angebaut, könnten sie nach den Berechnungen von Agora Agrar bis zu 660 Millionen[WK1] Tonnen CO2 speichern. Ersetzte das Holz der Bäume fossile Rohstoffe, ließen sich außerdem jährlich etwa 130 Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermeiden – fast so viel, wie Jahr für Jahr aus den Heizungen deutscher Haushalte in die Atmosphäre entweicht.

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Mehr Moor
Viele kennen Moore nur noch aus altmodischen Gruselfilmen. Dabei sind die dauernassen Ökosysteme elementar für die Zukunft unserer Spezies. Denn Moore sind die effektivsten CO2-Speicher der Erde und binden doppelt so viel Kohlenstoff wie sämtliche Wälder[WK1] zusammen. Das Problem: Bei trockengelegten Mooren kehrt sich dieser Effekt um, und das CO2 entweicht in die Atmosphäre. Auf nur zwei Prozent der landwirtschaftlichen Fläche der EU fallen daher rund 20 Prozent der Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft an.[WK2] Würden 80 Prozent der Moorgebiete wieder vernässt, könnten der Studie zufolge jährlich 70 Millionen Tonnen CO2 vermieden werden – das ist ungefähr so viel, wie ganz Österreich pro Jahr ausstößt.

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Moneten mit Moosen
Die Wiedervernässung der Moore muss sich natürlich auch für die Landwirte rechnen. Diese könnten dort etwa große Solaranlagen installieren, so die Studienautoren. Oder feuchtigkeitsliebende Pflanzen wie Schilf, Rohrkolben, Binsen und Torfmoose anbauen. Diese lassen sich etwa als Blumenerde verwenden oder zu Papier und Pappe oder klimafreundlichen Dämmstoffen und Verpackungsmaterialien verarbeiten. Weil Torfmoose so gut Flüssigkeit speichern, werden sie bereits dazu genutzt, um etwa bei Tankerunfällen ausgelaufenes Öl zu binden. Die sogenannte Paludikultur ist allerdings noch in der Erprobungsphase. Daher braucht es laut Agora Agrar neben Prämien für die Wiedervernässung auch eine staatliche Unterstützung beim Aufbau der Landwirtschaft im Morast.

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Verbauen statt verheizen
Nichts wärmt im Winter Nase und Seele besser als ein knisterndes Kaminfeuer. Für den Klimaschutz sei die Verbrennung von Holz und anderer Biomasse aber eine zweischneidige Sache, so die Studienautoren. Zwar könnten aufgeforstete Wälder das freigesetzte CO2 wieder speichern. Aber das dauert eben Jahrzehnte – und in dieser Zeit entfaltet das Kohlendioxid aus den Kaminen und Pelletöfen seine klimaerwärmende Wirkung, die uns weltweit zu schaffen macht. Daher sollten Regierungen mit Regulierungen und Fördermaßnahmen dafür sorgen, dass Holz nicht vornehmlich verbrannt, sondern zu langlebigen Produkten verarbeitet wird: sei es als Grundstoff für Chemikalien, Kunststoffe oder den Hausbau.

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Mehr veggie
Eine klimafreundlichere Landwirtschaft steht und fällt auch mit der Umstellung unserer Ernährungsgewohnheiten: Mitte des Jahrhunderts kommt in der EU nur noch halb so viel Fleisch auf den Teller, so die Vision von Agora Agrar. Standards, Fördergelder und Label sorgen zugleich dafür, dass es Rindern, Schweinen und Puten besser geht. Durch den geringeren Fleischkonsum haben sich auch die Futtermittelimporte und die Flächen für den Tierfutteranbau in Europa halbiert. Letztere können dann für andere landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden. Um das zu erreichen, sollten pflanzliche Produkte im Vergleich zu tierischen günstiger werden und leichter erhältlich sein, fordern die Autoren der Studie. Supermärkte müssten sie prominenter platzieren, Kantinen und Schulküchen mehr leckere Gemüsegerichte auf die Speisekarte setzen.

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Raus aus der Tonne
131 Kilo Lebensmittel verschwendet im Schnitt jeder EU-Bürger im Jahr. Das entspricht dem Gewicht von 100 Hühnern. Bis 2045 könnte diese Menge halbiert werden, besagt die Studie. Durch innovative Prognosemethoden, um Angebot und Nachfrage besser aufeinander abzustimmen. Durch passendere Portionsgrößen im Supermarktregal. Und durch intensivierte Forschung, wie unvermeidlicher Abfall als Ressource genutzt werden kann, um in Kosmetika, Medikamenten, Verpackungen oder Biokeramik ein zweites und damit längeres Leben zu führen.

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